Zur Person

Rainer Brüninghaus - Pianist und Komponist

Wie kein anderer steht Rainer Brüninghaus für die Verschmelzung von Jazz, Jazzrock-Rhythmik, Klassik, Neuer Musik und Avantgarde. Daraus schöpfend hat er zu einem eigenen, sehr persönlichen Stil gefunden. Die amerikanische Jazz-Zeitschrift "Down Beat" schrieb über ihn: "Wie Keith Jarrett ist Brüninghaus ein Akrobat der rechten Hand."

Seit 1988 ist Brüninghaus festes Mitglied der Jan Garbarek Group, spielt aber außerdem in den letzten Jahren auch wieder häufiger Piano-Solo-Konzerte. Dabei ist der Konzertflügel für ihn das Instrument, mit dem er seine musikalischen Ideen am besten, nämlich direkt, spontan und emotional ausdrücken kann.

In seinen Piano-Solo-Konzerten verbindet er vor allem Elemente aus der Klassik mit Spielweisen des Jazzpianos, er "improvisiert mit unerschöpflicher Fantasie. Sein virtuoses Spiel steht immer im Dienste der musikalischen Ideen" (Zitat: Gereon Hoffmann in der "Rheinpfalz").

Nachdem er mit 16 Jahren sein erstes Modern Jazz Trio gegründet hatte, spielte er Anfang der 70er Jahre zunächst experimentellen Jazz-Rock und war anschließend an der klassisch geprägten Emanzipation des europäischen Jazz beteiligt. Er profilierte sich währenddessen auch immer mehr als Bandleader und war stets als Komponist präsent. Er wurde ab den frühen 70er Jahren von fast allen deutschen Rundfunk Big Bands als Gastsolist und später auch als Komponist und Arrangeur geholt und spielte mit zahlreichen internationalen Größen von Modern Jazz bis Avantgarde.

Als Komponist hat er für Klavier ebenso geschrieben wie für Sinfonieorchester, Blasorchester, Bigband und kleinere Besetzungen. Die Stilistik seiner Kompositionen verbindet die Klang-Ideale der Klassik mit der Spontaneität des Jazz und der modernen E-Musik.

Brüninghaus spielte mit seinen Gruppen in ganz Europa und auch weltweit. Als Botschafter des deutschen Jazz ging er als Bandleader und Piano-Solist außerdem für das Goethe-Institut und das Auswärtige Amt mehrfach auf ausgedehnte Tourneen durch fast alle Länder Südamerikas und Mittelamerikas sowie nach Australien und Neuseeland. Zusammen mit Eberhard Weber ging er einige Male auf Tournee durch die gesamten USA, also ins Ursprungsland des Jazz.

Auszeichnungen

1983 Jazzpreis des Südwestfunks und des Landes Rheinland-Pfalz (seinerzeit der einzige deutsche Jazzpreis)

1984 Preis der Deutschen Schallplattenkritik für seine ECM-Einspielung „Continuum“.

Biografie

Geburtsjahr: 1949

Das Klavier entdeckte Rainer Brüninghaus im Alter von vier Jahren. Für den musikalischen Knirps war die Musik ein faszinierendes Spiel. Ohne Anleitung entstanden Klänge, Harmonien und Melodien. Als er neun Jahre alt wurde, bekam er klassischen Klavierunterricht. Seine Begabung war offensichtlich und schon ein Jahr später spielte er Mozart-Sonaten. Mit 14 Jahren fand er zum Jazz und als 16-Jähriger gründete er ein Trio und spielte Modern Jazz.

Von 1968 bis 1972 studierte Brüninghaus Soziologie an der Universität Köln. Doch in ihm wuchs auch die Überzeugung, seine wahre Berufung sei die Musik.

Noch während seines Soziologie-Studiums gründete er „Eiliff“, eine experimentelle Jazz-Rock-Band, mit der er zwei LPs und eine Single veröffentlichte. Und er studierte von 1971 bis 1975 Musik. Winfried Trenkler, Rundfunk-Redakteur und Musik-Kritiker, sagte damals in einer Rundfunk-Sendung über die Gruppe Eiliff, die Tatsache, dass deren Gründer und Pianist/Organist Brüninghaus noch Klavier studiere, sei so, als ob ein Rennfahrer nachträglich den Führerschein machen müsse.

Bereits 1973 wurde Brüninghaus Mitglied bei Volker Kriegels „Spectrum“, bei der er zwei Jahre lang zur Stammbesetzung gehörte. Zu dieser Zeit wurde der Pianist oft vom Jazzensemble des Hessischen Rundfunks eingeladen, das Albert Mangelsdorff leitete. Ebenso trat er als Gastsolist mit den Bigbands vor allem des Norddeutschen und des Westdeutschen Rundfunks auf. Auch das Orchester Kurt Edelhagen holte ihn als Solisten zu Auftritten und Rundfunk-Aufnahmen.

Eine enge Zusammenarbeit mit dem Bassisten Eberhard Weber, die schon in der Gruppe "Spectrum" begann, setzte sich in Webers Gruppe "Colours" fort, die von 1974 bis 1981 zusammenspielte. Parallel dazu arbeitete Brüninghaus auch mit dem Trompeter Manfred Schoof zusammen, unter anderem im Duo.

Eine besondere Ehre wurde dem Pianisten 1976 zuteil: Brüninghaus repräsentierte Deutschland beim internationalen Festival der European Broadcasting Union. Zu diesem Anlass komponierte der Künstler ein Werk für Solo-Piano. Die dort auf dem Konzertflügel gespielte Komposition fand großen Anklang, so dass Brüninghaus daraus ein ganzes Klavier-Solo-Programm entwickelte. Dessen Uraufführung bei den Heidelberger Jazztagen war ein großer Erfolg und für Brüninghaus der Impuls, weitere Solo-Konzerte am Flügel zu geben.

Brüninghaus genoss inzwischen hohes Ansehen als Komponist. 1978 bekam er den Auftrag, ein Werk für das Deutsche Jazzfestival Frankfurt zu verfassen. Ein für dieses Projekt zusammengestelltes Septett spielte die Kompositionen in der Jahrhunderthalle. Zwei Tage später wurde eines der Werke noch einmal aufgeführt, mit internationalen Größen des Jazz, darunter Archie Shepp.

Brüninghaus konnte anschließend Manfred Eicher, den Chef des renommierten Labels ECM, für seine Kompositionen interessieren und dieser lud ihn zur Zusammenarbeit ein. Manfred Eicher schlug Kenny Wheeler, Brynjar Hoff und Jon Christensen als Mitspieler für die Arbeit im Studio vor. So erschien 1980  „Freigeweht“, Brüninghaus' erstes ECM-Album als Leader. Sein zweites folgte 1983 unter dem Titel „Continuum“, das mit dem „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ ausgezeichnet wurde.

Es folgten viele Kompositionsaufträge für kleine und große Ensembles und sogar für Sinfonieorchester. Brüninghaus schrieb unter anderem für das Siegerland-Sinfonie-Orchester, die Junge Deutsch-Französische Philharmonie, die Sinfoniker von Radio Bremen und NDR sowie die Bigbands des WDR, NDR, HR, und SDR.

Von 1981 bis 1984 hatte Brüninghaus wieder ein eigenes Trio mit dem Trompeter Markus Stockhausen und dem Schlagzeuger Fredy Studer. Diese Gruppe spielte unter anderem auf dem Jazzfest Berlin und ging 1982 auf große Südamerika-Tournee für das Goethe-Institut, sowie 1983 nach Mittelamerika und in die Karibik.

Ab 1985 spielten im Brüninghaus-Trio der Perkussionist Trilok Gurtu und Gitarrist John Abercrombie. Gäste und zeitweise Mitspieler waren Charlie Mariano, Hugo Read und Jo Thönes. Dieses Brüninghaus-Trio machte Tourneen in Europa sowie 1985 in Australien und Neuseeland. Von den Neuseeländern wurde das Konzert des Trios in einer Umfrage unter die 4 wichtigsten kulturellen Ereignisse des Jahres gewählt.

Ein weiterer Höhepunkt in Brüninghaus' Arbeit als Komponist ist das „Rhein-Requiem“. Er schrieb 1987 das 90-minütige Werk für ein Fernsehkonzert des NDR. Bei der Uraufführung wirkten Lauren Newton, Paul McCandless, Trilok Gurtu und Klaus Bantzer mit.

1988 begann eine intensive Zusammenarbeit mit dem norwegischen Saxophonisten Jan Garbarek. Bis heute ist Brüninghaus festes Mitglied der Jan Garbarek Group und mit dieser Gruppe weltweit unterwegs.

Trotz der sehr zahlreichen Konzerte dieser Gruppe fand Brüninghaus ab 1988 bis heute immer wieder die Zeit für Kompositionen und Arrangements für Rundfunk und Fernsehen, so vor allem für den WDR und dessen Bigband und viele Jahre lang für die 10-köpfige Jazz-Gruppe Four Plus Six am WDR (Leitung Harald Banter), sowie für die NDR-Bigband, HR-Bigband und SWR-Bigband.

Brüninghaus unterrichtete von 1984 bis 1992 als Dozent für Klavier an der Musikhochschule Köln sowie von 1990 bis 1992 auch an der Musikhochschule Frankfurt am Main. Er verfasste außerdem ungezählte musiktheoretische Fachartikel, unter anderem für Musikzeitschriften - derzeit vor allem für die Zeitschrift Piano News von Carsten Dürer. Brüninghaus war lange Zeit im Künstlerischen Beirat der UdJ und wirkte als Juror und Dozent bei Jugend-Musikwettbewerben. Neben seinen vielen Kompositionen für Orchester, Blasorchester, Bigbands, kleine Ensembles und Piano Solo komponierte Brüninghaus auch Musiken zu teils preisgekrönten Filmen und Fernsehserien, die er in seinem eigenen Tonstudio produzierte.

Zusammenarbeiten

George Adams, John Abercrombie, Carla Bley, Mari Boine, Jack Bruce, Agnes Buen Garnas, Bob Brookmeyer, Gary Burton, Jon Christensen, Billy Cobham, Bobby McFerrin, Jan Garbarek, Danny Gottlieb, Trilok Gurtu, Jim Hall, Ralf Hübner, Manu Katché, Karin Krog, Albert Mangelsdorff, Charlie Mariano, John Marshall, Lauren Newton, Nippi Noya, Paul McCandless, Pierre Michelot (Play Bach), Palle Mikkelborg, Alphonse Mouzon, Lauren Newton, Alex Riel, Toots Thielemanns, Heinz Sauer, Manfred Schoof, Archie Shepp, Thomas Stanko, Steve Swallow, Eberhard Weber, Reto Weber, Heiner Wiberny, Kenny Wheeler u.a.